Pneus auf juristischem Glatteis
 

(rb)

In Deutschland ist die Strassenverkehrsordnung um eine kleine aber heiss diskutierte Verkehrsregel ergänzt worden. Es geht dabei um den Paragrafen 2, Absatz 3a.
Was bedeutet es, wenn "geeignete Bereifung" verlangt werden? Es gibt keine amtliche Definition dessen, was ein Winter- oder ein Schneepneu ist. Vorschrift ist für jeden Pneu eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimeter - für Winterreifen werden 4 Millimeter empfohlen.


Dass Autoreifen verschiedener Typen und Fabrikate unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, ist durch viele Vergleichtests belegt.

(Mehrere Reifen müssen häufig als "nicht empfehlenswert" eingestuft werden) Aber auch mit solchen Reifen haben Sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllt.

Sind Sie in einen Unfall verwickelt, wird im Polizeirapport bestimmt nicht auf die Testresultate verwiesen. Es werden die Reifenart (z.B. M+S) und die Profiltiefe eingetragen.
Dann liegt es am Richter oder an der Versicherung, ob dem Fahrzeuglenker eine Fahrlässigkeit anzulasten ist.

Wer im Winter nicht nur an milden, trockenen Tagen fahren will, wird sich Winterpneus leisten müssen - wobei für Offroadfahrzeuge/SUV Ganzjahresreifen mit der Bezeichnung M+S genügen.

   
 
Vierer-Regel

4 mm Profil

4 Reifen derselben Marke
und desselben Modells

Nicht älter als 4 Jahre sollten die Reifen bei der Montage sein


Fahrzeuge mit aktiven Sicherheitssystemen ABS, ESP etc.
Verwenden Sie aus Sicherheitsgründen nur Reifen-Fabrikate die der Hersteller für ihr Fahrzeug freigegeben hat. Diese Reifen sind speziell auf die Regelsysteme abgestimmt.
 

 

   

Der Schnee bringt es an den Tag 

Den Berg kommt er rauf - wie aber kommt er wieder runter?  
Überschätzen Sie im Winter nicht die Fähigkeiten Ihres Offroaders.


Während heute praktisch alle Fahrzeuge über Traktionshilfen beim Bergauffahren verfügen, hat sich für Bergabfahrten auf Schnee und vereisten Strassen nicht viel geändert. Man verfügt über ABS, aber die Resultate auf stark vereister Fahrbahn sind nicht gerade berauschend.

Dass elektronische Fahrhilfen heute bei modernen 4x4-Fahrzeugen zum Einsatz kommen, verwundert wenig. Elektronikbauteile werden in riesigen Mengen hergestellt und sind daher billig. Und zusätzliche Mechanik brauchen Fahrhilfesysteme meist nicht. Wenn ein ABS vorhanden ist, kann man dessen Bauteile für ein Fahrstabilisierungssystem, für elektronische Bremskraftverteilung oder für Bergabfahrhilfen mitnutzen.

Im Prinzip funktionieren alle Systeme gleich. Ob sie mit dem für Bosch und DaimlerChrysler registrierten Begriff ESP bezeichnet werden - oder der Hersteller sie DSC, MASC, PSM, VSA, VSC etc. tauft. Alle diese Fahrdynamik- Regelsysteme funktionieren so, dass einzelne Räder gezielt abgebremst werden können. Unterschiedliche Philosophien haben die verschiedenen Hersteller was Ansprech- und Regelcharakter betrifft. Der eine lässt das System schon bei geringen Abweichungen aktiv werden, der andere erst, wenn es wirklich gefährlich wird.

Dazu werden die Informationen einer Reihe von Fühlern ausgewertet: Radeinschlag, Raddrehzahl, Beschleunigungs- bzw. Verzögerungskräfte und die Drehung des Fahrzeuges um seine Hochachse werden ständig überwacht. Stellt die Elektronik Abweichungen von den im Versuch ermittelten "normalen" Werten fest, greift sie ein. Alle heutigen Systeme haben praktisch als Nebeneffekt auch eine Schlupfregelung. Dreht ein Rad durch, wird es automatisch auf die Drehzahl der anderen Räder abgebremst. Das überforderte Rad erhält dadurch wieder Seitenführungskräfte und die besser greifenden Räder erhalten durch das Ausgleichsgetriebe Motorkraft zugeteilt.


Nicht alle Autos verhalten sich gleich

Die Reifenentwickler sind auf breiter Basis insofern gefordert, als die unterschiedlichen Leistungsparameter der Fahrhilfen auf die Haftungs- und Führungseigenschaften der Pneus einen nicht zu unterschätzenden Einfluss nehmen. Mehr zu aktiven Sicherheitssystemen hier...

Sie verfügen beim Vortrieb über die doppelte Traktion - gegenüber zweiradgetriebenen Fahrzeugen. Und wie kommen Sie zum Stehen?  Beim Bremsen haben Sie keinen Vorteil.
 
Im Gegensatz zur oft gehörten Meinung entbindet der Allradantrieb nicht von der Montage einer Winterbereifung. Viele 4x4 Fahrzeuge sind mit sogenannten Ganzjahresreifen ausgestattet. Diese Reifen sind ein Kompromiss.

Schneeflocke statt M+S

Das Kürzel M+S steht für Matsch und Schnee -Mud and Snow- und kennzeichnete früher "echte" Winterreifen. Doch das Logo ist gesetzlich nicht geschützt, jeder Reifenhersteller kann selbst entscheiden, welcher Reifen es erhält.
Als Abhilfe wurde das Schneeflocken-Symbol eingeführt das echte Winterreifen kennzeichnet und von der amerikanischen Straßenverkehrsbehörde NHTSA verliehen wird. Ein Reifen darf dieses Symbol nur tragen, wenn er Winterkriterien erfüllt. (EU inoffiziell)

 

Nutzen Sie beim Bergabfahren immer die Fussbremse! 

Auch keine Motorbremse. Dies gilt für Fahrzeuge mit Automatik und permanentem Allradantrieb sowie elektr. Traktionskontrolle und ABS. Bricht das Auto hingegen beim Bremsen aus, hilft es, kurz von der Bremse zu gehen, damit sich das Fahrzeug eventuell wieder stabilisieren kann.

Nur ABS kann das Blockieren der Räder sicher verhindern (hier gehen die Meinungen der Fachleute allerdings sehr auseinander). Viele Instruktoren empfehlen bei handgeschalteten Fahrzeugen ein Auskuppeln, sobald das Fahrzeug zu rutschen beginnt. Das zeigt das Dilemma in dem die ABS-Entwicklung steckt: Ist es besser, auf Schnee oder Schotter so schnell wie möglich anzuhalten (ohne ABS) oder lieber die Lenkbarkeit zu gewährleisten (mit ABS)?


VORSICHT: Anhänger mit Auflaufbremse

ABS greift bei rutschigem Untergrund ein, bevor die Auflaufbremse überhaupt in Funktion treten kann. Um die Auflaufbremse des Anhängers in einem solchen Fall zu aktivieren, braucht es den gezielten Einsatz der rein mechanischen Handbremse am Zugfahrzeug. ABS registriert nur ein Gleiten der Zugfahrzeugräder – und nimmt daher die Bremswirkung immer mehr weg.
Anhänger-ESP: Ist im Zugfahrzeug integriert und verhindert ein Schleudern des Anhängers durch gezielte Bremsungen.

Die Reifenhersteller bemühen sich natürlich mit speziellen Gummimischungen und Profilen die Traktion zu verbessern. Neben einem besonderen Profil und einer Konstruktionsweise für extra gute Bodenhaftung haben Winterreifen spezielle Gummimischungen. Dies damit der Pneu weich und geschmeidig bleibt, und die Lauffläche bei tiefen Temperaturen nicht verhärtet.

Bereits ab Temperaturen unter 7°C fahren Sie mit Sommerreifen nicht mehr sicher.

Das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» entlarvte die Bereifungs-Faustregel als glatte Lüge – Sommerreifen seien ihren Winterkollegen zwar bei Wintertemperaturen auf trockener oder nasser Strasse unterlegen, aber eben nicht exakt unterhalb sieben Grad. Das kann auch erst - je nach Gummimischung - bei 1°C passieren.

Als Faustregel bleibt die 7°C Regel aber gültig. Zumal es in der kalten Jahreszeit stets schneien kann. Dann braucht es Winterpneus. Und mangels Einsicht demnächst vermutlich noch eine Winterpneupflicht.

Ohne Winterreifen geht auf Schnee und Eis nichts.

Es gibt Tatsachen, die jede Diskussion überflüssig machen. Auf Schnee und Eis verkürzen Winterpneus den Bremsweg. Dieser Vorteil besteht bei neuen Winterpneus. Pneus mit geringer Profiltiefe verlieren an Haftung.

Schnee und Eis sind nicht Schnee und Eis. Da gibt es temperatur-, oberflächen- und strukturbedingte Riesenunterschiede. Die Alterung, sowie Abnutzung eines Reifens, kann vorherige Vorteile plötzlich in Nachteile umwandeln. Dazu kommt dass man je nach Aussentemperatur, total unterschiedliche Verhältnisse/Haftung antrifft.
Um Null Grad herum ist es extrem "glitschig", während tiefere Temperaturen die Haftung verbessern.
 

 

Beim Bremsen haben Sie mit ihrem Offroader keinen Vorteil. Hier müssen Sie sich auf die Fläche des Reifens, die Bodenkontakt hat, verlassen.

Wichtig: Geschwindigkeit anpassen.
Auch mit Topausrüstung und mit Oberklassewagen. Niedere Gänge und Fuss vom Gaspedal. Kommt das Fahrzeug trotzdem ins Rutschen und beschleunigt.... vorsichtig in Richtung Strassenrand lenken, damit die Reifen auf dem weicheren Schnee oder Grasstreifen wieder fassen, unbedingt ohne Hektik lenken. Durch blitzartiges Verreissen des Lenkrades wird die Fahrt unkontrollierbar. Notfalls seitlich .... Hindernis anfahren.

Es gibt bezüglich Verhalten auf Eis und Schnee unter den verschiedenen Automarken und Fahrzeugtypen sehr grosse Unterschiede.
Das Fahrverhalten eines kleinen leichten SUV ist wesentlich leichter unter Kontrolle zu halten als das eines grossen und schweren Offroaders.


Fliehkraft

Die Fliehkraft ist im Wesentlichen abhängig von Gewicht und Geschwindigkeit des Autos. Je schwerer und schneller ein Fahrzeug ist, umso mehr wird es in der Kurve von den Fliehkräften nach außen gedrängt.

Achtung: Allradantrieb, auch mit Traktionskontrolle, hebt keinesfalls die Gesetze der Physik auf. Fahren Sie bei Glätte verantwortungsbewusst und umsichtig. Man muss die Unterlage immer wieder von neuem überprüfen. Nach einem Blick nach hinten: Mit einem kräftigen Tritt auf die Bremse oder mit einem beherzten Gas-Stoss.
Allradantrieb kann sehr viel mehr, aber der Wagen hat trotz Allrad auch nur vier Räder.

Wenn der Schnee zu hoch wird, das heisst, dass das Fahrzeug  aufzusitzen beginnt, dann ist trotz aller Hilfen Schluss. Jetzt heisst es umkehren.

Infos über die neuesten Reifen erhalten Sie beim TCS/ADAC/Stiftung Warentest.
Wer neue Reifen kauft, sollte bei mehreren Anbietern Offerten für die gewählten Reifen, inklusive Montage, Auswuchten und Entsorgung, einholen.

   

Optimale Traktion durch Ketten

Für gelegentliche Fahrten auf Schnee ist der Allradantrieb sicher die beste Antwort. Bei längeren Schneeperioden mit Schneeglätte bedeuten Ketten aber einen derartigen Gewinn an Sicherheit, dass sie in jedes Fahrzeug gehören. Nur Ketten haben ausreichend Traktion für schneeglattes Gefälle.

Allradfahrzeuge kommen bei Eis und Schnee noch voran, wenn konventionelle Autos schon gezwungen sind, Ketten aufzuziehen. Allradantrieb nutzt den Reibungswiderstand von vier Reifen. Bei permanentem Allradantrieb wird die Kraft zu je 50% auf die Vorder- resp. Hinterachse verteilt. Zweiradantrieb verteilt die Kraft zu 100% auf eine der beiden Achsen.

Bremstests zeigen deutlich, dass Winterreifen und auf allen vier Reifen Ketten den Bremsweg um rund 60% verkürzen. Ähnlich verhält es sich mit der Traktion und damit natürlich auch mit der Fahrstabilität.

Hat man nur zwei Ketten, sollte man diese auf die Vorderräder montieren. Die Kurvenführung wird optimiert und beim Bremsen in Kurven schlittert das Fahrzeug nicht geradeaus. Bei steilen Talfahrten oder bei Anhängerbetrieb kann es allerdings ratsam sein, die Ketten auf die Hinterräder zu montieren.

Schleuderketten OnSpot

Der Schwerlastverkehr macht sich bereits seit den Siebzigerjahren die erhöhte Sicherheit von OnSpot-Schleuderketten zunutze. Nach einer umfassenden Entwicklungsarbeit kann jetzt das System auch bei Kleinbussen und Lieferwagen eingesetzt werden. - Ein Problem ist der Platzbedarf zur Montage von OnSpot und der erforderlichen Druckluftkomponenten -

OnSpot ist ein bewährtes Produkt, das sich als äusserst zuverlässig im Betrieb erwiesen hat. Die automatischen Ketten können bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h per Druckluft eingekuppelt werden und sorgen in Sekundenschnelle für eine gute Haftung, sowohl beim Bremsen als auch beim Beschleunigen, die kein Winterreifen bieten kann.
Die Wirkung ist optimal bei Hinterradantrieb verbunden mit ABS.


   

Welche Helfer habe ich zusätzlich ?

Einsatz der Motorbremse.
Fahrzeuge mit permanentem Allradantrieb und einer Kraftverteilung über ein Zentraldifferential, übertragen die Motorbremswirkung auf beide Achsen. Das gleiche gilt für
Fahrzeuge mit zugeschaltetem Allrad.

Fahrtipp: In kritischen Situationen mit Reduktion/Allrad das Fahrzeug in niederem Gang rollen lassen. Fuss vom Gaspedal (Cherokee und Wrangler). Lesen Sie unbedingt vorher die Bedienungsanleitung.

Bei Fahrzeugen mit permanentem Allradantrieb und irgendeiner Art von zentraler Kupplung (Lammellenkupplung, Viscokupplung etc.) funktioniert das Ganze anders. Hier wird das Bremsmoment des Motors (wie das Antriebsmoment) zunächst an die direkt angetriebene Achse geleitet. Erst wenn die Achse wegen des grossen Motorbremsmoments überfordert ist und deshalb langsamer zu drehen beginnt (also zu rutschen), wird zusätzlich auch Bremsmoment an die zweite Achse übertragen.

Beim Grand Cherokee nur mit Untersetzung möglich.

Der Quadra-Drive kennt einen anderen Allradmodus. Heckantrieb mit automatisch zuschaltender Vorderachse. Es bleibt die Möglichkeit, die Untersetzung einzuschalten und damit das Zentraldifferenzial zu sperren.

Lesen Sie unbedingt die zu Ihrem Fahrzeug gehörende Bedienungsanleitung genau durch. Einige Autohersteller verbieten das Montieren von Ketten auf allen vier Rädern. (Garantieausschluss)

   

Ohne Winterreifen kann’s teuer werden

auto-reporter.net - 19. Dezember 2007. Ski-Urlauber sollten nicht ohne Winterreifen in die Ferien starten. Darauf weist der ADAC hin. In den meisten Wintersportländern besteht zumindest zeitweise eine Winterreifenpflicht, oder aber es drohen Geldstrafen, wenn man bei schneebedeckten oder vereisten Straßen mit ungeeigneter Bereifung unterwegs ist.

In Frankreich und in Italien können Winterreifen kurzfristig durch entsprechende Beschilderung vorgeschrieben werden. Im Aostatal darf man bis zum 20. April nur mit Winterreifen unterwegs sein. Auch in Slowenien (15. November bis 15. März), Finnland (1. Dezember bis 29. Februar) und Schweden (1. Dezember bis 31. März) besteht eine zeitlich begrenzte Winterreifenpflicht.

In Österreich müssen ab dem 1. Januar 2008 bei schneebedeckten und vereisten Fahrbahnen an allen Rädern Winterreifen montiert oder Schneeketten an den Antriebsrädern angebracht sein. Schneeketten auf der Antriebsachse als Alternative für Winterreifen sind nur dann erlaubt, wenn die Fahrbahn mit einer zusammenhängenden Schnee- oder Eisschicht bedeckt ist und wenn dadurch die Oberfläche der Fahrbahn nicht beschädigt wird. Die neue Verpflichtung gilt jeweils vom 1. November bis zum 15. April.

In der Schweiz, Dänemark und Norwegen besteht keine generelle Winterreifenpflicht. Bei einem Unfall mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen wird man aber in der Schweiz erheblich mithaftbar gemacht. Behindert man den Verkehr durch die falschen Pneus, werden Geldbußen verhängt, die im Ausland sehr hoch sein können. (ar/nic)


Nützliche Links:
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