29. April 2010 - Als
Plagiat wird er weiterleben - HUMMER auf
der "Auto China 2010"
Überraschend war die Präsenz von Hummer. Die
Chinesen haben schon länger Interesse am
Kauf der legendären Geländewagenmarke
bekundet. Eine Übernahme durch den
Baumaschinenhersteller Sichuan Tengzhong Heavy Industrial
Machinery Corperation war aber zuletzt im Februar 2010
gescheitert. Daraufhin hatte General Motors angekündigt, die
Marke abzuwickeln.
Doch wie schon im Fall von Saab gibt es immer wieder neue
Wendungen. GM hatte wenige Tage nach dem geplatzten
China-Geschäft Hummer plötzlich noch eine Gnadenfrist von
zwei Monaten gegeben. Die läuft in diesen Tagen ab.
25. Februar 2010 - Verkauf
gescheitert: Keine Zukunft für
GMs Hummer
General Motors wird mit der „geordneten
Abwicklung“ der Geländewagen-Tochter Hummer
beginnen. Vorangegangen waren gescheiterte
Verhandlungen über den Verkauf der Marke an
den chinesischen Maschinenbauer Sichuan
Tengzhong Heavy Industrial Machinery. Das
chinesische Unternehmen sei nicht dazu in
der Lage gewesen, die Akquisition von Hummer
abzuschließen, hieß es in der Begründung des
amerikanischen Konzerns. Es sei nicht
möglich gewesen, innerhalb des vereinbarten
Zeitrahmens die Zustimmung der chinesischen
Behörden für die Transaktion zu bekommen.
„Wir beginnen mit der Abwicklung der
Marke, was mehrere Monate in Anspruch nehmen
wird“, sagte Hummer-Sprecher Nick Richards.
„Sollten sich während dieser Zeit machbare
Alternativen für einen Teil oder die ganze
Marke ergeben, werden wir diese in Erwägung
ziehen.“ Die chinesische Regierung habe
angedeutet, dass sie ihre Zustimmung zu der
Übernahme nicht geben werde, erklärten drei
mit den Beratungen vertraute Personen, die
nicht namentlich genannt werden wollten.
Nach Medienberichten sperrte sich die
chinesische Regierung, weil die
spritdurstigen Hummer-Geländewagen das Ziel
torpedieren würden, die Umweltverschmutzung
zu senken. Wang Chao, der stellvertretende
Handelsminister des Landes, wies dies jedoch
zurück und sagte am Mittwoch, dass China die
Offerte nicht blockiert habe.
GM und Tengzhong, ein Privatunternehmen, das
im Straßenbau, Hochbau und der Ausrüstung
für die Energieindustrie tätig ist, hatten
im Juni eine Absichtserklärung über den
Verkauf der Marke unterzeichnet. Tengzhong
wollte für den PS-starken Geländewagen eine
neue Käuferschicht in China erschließen. Die
finanziellen Details des Hummer-Verkaufs
sollten später in Verhandlungen geklärt
werden. Ein Kaufpreis wurde dementsprechend
nicht mitgeteilt.
GM hatte lange nach einem Käufer für
Hummer gesucht. Der Verkauf der
spritfressenden Großfahrzeuge war 2008 um 51
Prozent eingebrochen, mehr als bei jeder
anderen Marke in den Vereinigten Staaten. An
dem aus dem Militärfahrzeug Humvee
hervorgegangenen Auto scheiden sich die
Geister: Gegner sehen es als Inbegriff
sinnloser Verschwendung, Fans schätzen seine
PS-starke Geländegängigkeit.
Januar 2010 - Am 19. Januar
2010 stellte General Motors (GM) die
Produktion des Geländewagens Hummer ein
Es stehen noch genug Fahrzeuge auf Halde, um
den Bedarf des Handels abzudecken, bis das
chinesische Unternehmen Sichuan Tengzhong
Heavy Industrial Machinery Corp Hummer samt
Marke und Technologie übernimmt.
Der Hummer-Verkauf an die
Chinesen war 2009 besiegelt worden und soll
Anfang dieses Jahres abgewickelt werden. Ob
das Ende des Hummer unter GM-Ägide Einfluss
auf die Zahl der Mitarbeiter des Werkes in
Shreveport haben wird, steht offenbar noch
nicht fest. Neben dem Hummer werden dort
auch GMC-Pickups gebaut. Die Belegschaft
wurde im vergangenen Jahr von rund 3000 auf
700 reduziert.
10. Oktober
2009 - Hummer geht an Chinesen
Der Verkauf der US-Geländewagen-Marke Hummer ist nach monatelangen
Verhandlungen besiegelt. Die Tochter des angeschlagenen Autoriesen
General Motors geht nach China.
Die Vereinbarung mit dem Spezialmaschinen-Hersteller Sichuan Tengzhong
stehe, teilte der bisherige Besitzer am Freitag in Detroit mit. Damit
übernehmen Chinesen zum ersten Mal eine westliche Automarke. Noch fehlt
allerdings das Okay der amerikanischen und chinesischen Kartellwächter.
Über den Preis schwiegen sich beide Seiten aus. Zwischenzeitlich war von
150 Millionen US-Dollar die Rede gewesen. Dafür bekommen die Chinesen
die Markenrechte, die Baupläne für die Modelle und Zugriff auf das
Vertriebsnetz. Eine Fabrik fehlt indes. Bis mindestens Mitte 2011 werden
die überdimensionalen Geländewagen deshalb noch in den Werkshallen von
General Motors produziert, möglicherweise auch ein Jahr länger. Das
sichere 3.000 Arbeitsplätze, hieß es.
General Motors war durch die eigene Insolvenz gezwungen, sich von
Töchtern zu trennen. Das hatte der Staat zur Auflage für
milliardenschwere Hilfen gemacht. Bereits Anfang Juni wurde daraufhin
der Verkauf von Hummer verkündet. Denn seitdem auch in Nordamerika die
Spritpreise kräftig angezogen haben, ist der Verkauf der schweren Wagen
drastisch eingebrochen. Die Wirtschaftskrise tat ihr Übriges.
General Motors
lanciert das kriegserprobte Militärfahrzeug Hummer H2 für den zivilen
Markt. Die
Namensrechte sind zwischenzeitlich von GM erworben worden. GM will den
Hummer II als Zivilversion ab 80'000 - 150'000 SFr. auf den Markt bringen.
Mit seinen Plänen hofft GM, die
Erfolgsgeschichte des Jeep reproduzieren zu können
So wie sich der Ur-Geländewagen vom
weltkriegserprobten General Purpose Vehicle - abgekürzt GP - der
US-Streitkräfte herleitet, ist der Hummer zunächst ein Militärfahrzeug.
Entwickelt wurde das High Mobility Multi-Purpose Wheeled Vehicle (HMMWV),
dessen Kürzel «Humvee» ausgesprochen wird, ab 1979 von AM General,
einer Spezialfabrik für Militärlaster.Er ersetzt in der US-Army die M-151 Reihe, den
M.U.T.T
American Motors Corporation - AMC
Der AMC Konzern hatte seine Anfänge in den 50er Jahren, als sich unter
dem Druck der grossen drei Firmen (Ford, GM, Chrysler) Studebaker,
Nash, Rambler und Hudson zu einer Fusion gezwungen sahen. 1966 wurde die
Firma, die unter dem Namen Rambler geführt wurde, in AMC umbenannt. Es
war eine Sammelbezeichnung für den bescheidenen Rest einer ganzen Reihe
von ehemals geschätzten US-Automobilproduzenten.
Im Jahre 1970 übernahm American Motors Corporation (AMC) JEEP von
der Kaiser-Group.
Als erstes beschloss das AMC-Management die Militärfahrzeugproduktion
des Jeep auszugliedern. Die zu diesem Zweck neu formierte
Abteilung erhielt den Namen: AM
General.
Die Gesellschaft wird 1992 von Ira L. Rennert in einem
Insolvenzverfahren für 133 Millionen Dollar übernommen.
2004 steht der Hummer-Hersteller AM General Corporation wieder vor dem Verkauf.
Der bekannte amerikanische Investor Ronald A. Perelman will die
Kontrolle beim Auto- und Militärfahrzeughersteller AM General Corp.
übernehmen.
Der Kaufpreis soll 930 Million Dollar (756 Millionen Euro) betragen,
berichtete die "New York Times" am Dienstag (10.8.04). Rennert wird nach
Angaben der Zeitung eine Beteiligung an AM General behalten. Das
Pentagon ist nach wie vor der größte Auftraggeber von AM General.
-
Die Kaiser Jeep Corporation hatte noch 1967 eine Abteilung gegründet,
die sich ausschliesslich
der Erforschung, Entwicklung und Herstellung von Fahrzeugen im Auftrag
der Regierung widmete: Die Defense and Government Products Division. Sie
gilt als die direkte Vorgänger-Organisation von AM General.
AM General baut das Fahrzeug in Mishawaka, Indiana. Seit dem Beginn der
Produktion des HMMWV im Jahre 1985 hat die Firma über 150'000 Exemplare
des vielseitigen 4-Rad-Antriebsfahrzeuges an die US-Streitkräfte und an
mehr als 30 befreundete Staaten geliefert.
Das Echo auf den H2-Prototypen, den General Motors im Frühling 2000 an
der Auto Show in Detroit zeigte, sei «überwältigend» gewesen,
berichtete GM-Sprecherin Heather Hall. Der Spatenstich für die
H2-Fabrik in Indiana habe zwar erst stattgefunden, sagte Hall, aber «schon jetzt rufen uns Leute an und fragen, ob
es eine Warteliste gebe». Marktkenner deuten die Begeisterung für
den Hummer als Zeichen dafür, dass Amerikas Liebesaffäre mit
schweren Geländewagen, so genannten Sport Utility Vehicles (SUV),
noch lange nicht vorüber ist - sehr zum Missfallen von
Verkehrspsychologen, Sicherheitsexperten und Umweltschützern.
Der zivile Original-Hummer ist bis auf die Karosserie und die
Innenausstattung mit der Militärausführung technisch identisch. Ganz im
Gegensatz zum H2. Im Militär-Hummer befindet sich der Motor zwischen
Fahrer und Beifahrer. Beim H2 ist der Motor - ein Vortec V8-Benziner mit
330 PS und sechs Litern Hubraum - vorne eingebaut. Die Kühlerhaube wurde dadurch
länger aber auch weniger steil abfallend gegenüber dem Militär-Hummer.
Er basiert technisch auf dem Chevrolet Silverado Fullsize Pick-Up.
Die aufwändige Radaufhängung des Original-Hummer mit ausladenden
Doppel-Querlenkern und Schraubenfedern hinten und vorne, wurde durch
herkömmliche Dana-Achsen ersetzt. Vorne Einzelradaufhängung mit
Torsionsstäben, hinten Starrachse mit Längslenkern und Schraubenfedern. Das Drehmoment
verteilt sich dank einem elektronisch gesteuerten Bremssystem auf die
Räder mit der jeweils grössten Traktion, ähnlich wie bei der
Mercedes M-Klasse.
- Es hat sich gezeigt, dass das im original Militär-Hummer verwendete
System
(Torsen-Sperrdifferenziale) doch mehrere Uebungsstunden voraussetzt, um
gleichzeitig mit dem linken Fuss die Bremse und mit dem rechten Fuss das
Gas zu betätigen. Das in der Zivilversion verwendete TT4 arbeitet
automatisch und absolut zuverlässig. Die Wagenbreite von knapp 220 cm
des Militär-Hummers wurde für den H2 um 20 cm reduziert.
Obwohl gerade diese 220 cm Breite, verbunden mit der geringen Höhe von 190 cm,
es erst ermöglichen, das Fahrzeug einen 40 Grad Hügel quer zu fahren. -
Beim Topmodell kann der Reifendruck während der
Fahrt vom Armaturenbrett an die jeweilige Bodenbeschaffenheit
angepasst werden. Mit seinem extrem untersetzten Geländegang klettert
der Hummer Steigungen von 60 Grad hinauf und «nimmt»
vertikale
Hindernisse von bis zu 56 Zentimeter Höhe.
Die Böschungswinkel - vorne 72°, hinten 37,5° - sprechen für
sich. Wenn ein Rad meterhoch in der Luft, das diagonal gegenüberliegende
im Schlamm leer dreht, bringt ein kurzes Antippen der Bremse die Torsen-Sperrdifferenziale zum Einrasten und weiter geht die
Fahrt (AM-Hummer). Gegenüber der Militärversion
verfeinert wurde indes die Innenausstattung - Käufer wie Arnold
Schwarzenegger, Mike Tyson und der Rapper Coolio sollen sich darin
wohl fühlen.
GM plant darüber hinaus mit noch kleineren Modellen H3 und H4 eine ganze
Modellpalette in Konkurrenz zu den Jeep-Modellen. Mit vorne quer
eingebautem Motor soll der Innenraum besser nutzbar gemacht werden.
Der H2 SUT (Sport Utility Truck) verfügt, im Unterschied zum gelben H2 SUV, über eine offene
kurze
Pick-up ähnliche Ladefläche, die mit Hilfe des "Midgates", in eine
grosse Ladefläche umgewandelt werden kann. Er soll 2004 in Produktion
gehen.
Hummer H1 Hardtop:
60 Prozent Steigfähigkeit
Abmessungen: 4,69 m x 2,2 m x 1,9 m
Gewicht: 3159 kg;
Nutzlast: 1769 kg
Bodenfreiheit:
40,6 cm; Steigung: 60%;
seitl. Neigung: 40%;
Wattiefe: 76 cm
Motor: 6,5 l V8 Turbodiesel;
Leistung: 195 PS (145 kW) bei 3400 U/m
Treibstoffverbrauch: 14-18 l/100 km
Getriebe: 4-Gang Automatik, permanent 4WD mit schaltbarem
Reduktionsgetriebe und Sperrdifferenzial
Bremsen: ABS mit 4 innenmontierten Scheiben von 266 mm
Durchmesser
Standardausrüstung: Klimaanlage, Radio/Kassettenspieler, elektrische
Fensterheber, Zentralverriegelung, elektrisch betätigtes Softtop
Optionen: Zentrales Pneudrucksystem, beheizte Windschutzscheibe, Monsoon-Audiosystem mit CD-Player, GPS-Navigationssystem
OnStar, DVD-Video, Infrarot-
Nachtsichtsystem, Anschluss für Laptop und Mobiltelefon mit
Freisprecheinrichtung,
Winde mit 5440 kp Zugkraft
Runflat Tire System (fährt 32 km mit flachen Reifen)
Bereits in den Jahren
1941-45 wurden
vom Serienjeep Halbraupen- und
Vollraupenfahrzeuge hergestellt.
Jeep Spezialfahrzeuge mehr...
Für tief verschneite
Einsatzräume, oder besonders stark
durchschnittenes Gelände, sowie zur Verwendung als Kleinpanzer vorgesehen.
Hummer mit Raupen von Mattracks.
Die zivile Variante des Hummer I.
Sie wurde vom Militärfahrzeug-
hersteller AM General gebaut.
Bild links: Cockpit Hummer I
Hier werden die hervorragenden
Fähigkeiten des Hummer 1 demonstriert.
Sept. 04
Die General Motors Corp (GM), Detroit, wird die Produktion ihres
Geländewagens "H2 Hummer" zurückfahren. Das zivile Modell des
Geländewagens stellt die AM General Corp für GM her. Der Verkauf des
schweren Hummer H2 ist in den ersten sieben Monaten dieses Jahr nach
mehrjährigem Höhenflug um 22 Prozent gefallen.
Die zweite
Produktionsschicht des Fahrzeugs soll am 25. Oktober 04 eingestellt werden,
sagte Lee Woodward, Sprecher bei AM General. Die betroffenen
Arbeiter sollen in der ersten Schicht oder in einem benachbarten Werk
eingesetzt werden, wo die Fahrzeuge "Humvees" für das Militär produziert
werden. Woodward geht auch davon aus, dass es Entlassungen geben wird.
Mai 06 Mit Ende des
Modelljahres 2006 soll der Geländegigant auslaufen. Insgesamt konnte
Hummer rund 12.000 zivile H1 verkaufen, zuletzt zu einem Preis von
140.000 Dollar.
Weitergebaut wird dagegen der Humvee, der dem US-Militär als
Einsatzfahrzeug dient. Ab 2008 könnte der "Ultra AP" schrittweise die Humvees ablösen. Die
Militärs fordern nicht nur besseren Schutz für die Insassen, auch ein
deutlich geringerer Spritverbrauch steht auf ihrer Wunschliste. Zudem
muss die Bordelektrik leistungsstark genug sein, um den Anforderungen
von Computern und Navigationstechnik zu genügen.
Extrem robuste, schnelle und geländegängige Roboterjeeps sollen eines
Tages jene besonders gefährlichen Aufgaben übernehmen, bei denen häufig
Soldaten getötet werden. Prinzipiell könnte die Technik aber auch in der
Bau- und Landwirtschaft genutzt werden, teilte die Carnegie Mellon
University mit.
Innenansicht des von GM
produzierten Hummer II.
Die Frontansicht des Hummer II
DaimlerChrysler war der Frontgrill
(Jailhousegrill) zu Jeep-typisch.
DaimlerChrysler reichte deshalb
gegen General Motors eine Klage ein..
Der
Hummer darf sein Jeepgesicht behalten
DaimlerChrysler hat alle Ansprüche gegen General Motors fallengelassen,
den das Design des Hummer Grills gegenüber dem Jeep Grilldesign,
nach Ansicht von DC,
verletzte.
Am 19. Mai 03 kam es zu einem abschließenden Urteil im Fall DC gegen GM.
Die Debatte rotierte um die geteilte Geschichte von Hummer und von Jeep.
Die ehemalige American Motors Corp. kaufte Jeep 1969 und formierte eine
eigenständige militärische Trägerabteilung.
Die zu diesem Zweck neu formierte Abteilung erhielt den Namen: AM General.
Sie war auch noch - nach der Auflösung von AMC - als
eigenständige Firma aktiv und entwickelte und baute den erfolgreichen
Hummer.
Von dieser Firma übernahm GM die Namensrechte etc. Chrysler hatte 1987 Jeep übernommen.
Das Gericht kam zum Schluss, dass beide Firmen, DC und GM, ein gewisses
Recht an dem typischen
Jeep-Hummer-Gesicht hätten.
Der Hummer II dürfte für
für viele eine Versuchung sein.
Mit
Unterfahrschutz ausgerüstet.
Version H2 Modell 2003
Diesem Spezialfahrzeug
kann ein im üblichen Rahmen abgefasster Bericht niemals gerecht
werden.
Für alle die mehr über dieses
Spezialfahrzeug wissen möchten, empfehle ich
das nebenstehende Buch.
Der folgende Artikel ist im deutschen Magazin Stern erschienen.
Quelle: STERN vom
20-3-97 Autor: Peter Thomsen
Das
Panzertier
Spätestens seit dem Golfkrieg
kennt ihn hierzulande jeder aus der Tagesschau: den "Hummer",
Nachfolger des legendären JEEP bei der US
Army. Jetzt kann man eine zivile Ausführung auch in Deutschland kaufen.
Wo wollt ihr denn hin - nach Bosnien oder Tschetschenien? Solche
Fragen muß man sich gefallen lassen, wenn man mit dem Hummer
unterwegs ist. Er kann eben seine Herkunft nicht verleugnen:
Frontscheiben wie Sehschlitze, die riesigen Walzenräder und das dunkle
Grün, dem Nato-Oliv nicht unähnlich, wecken sofort militärische
Assoziationen.
Der
Hummer, eine
Armeetypische Verballhornung der Abkürzung HMMWV (High Mobility
Multipurpose Wheeled Vehicle), dient seit neun Jahren als Nachfolger des
Jeep in der US-Armee, meist in Pick-up- oder Kombi-Ausführung, gern mit
Maschinengewehr oder Leichtgeschütz auf dem Dach.
Spätestens seit dem
Golfkrieg ist er auch bei uns bekannt, prominentester Passagier war
General Norman Schwarzkopf. Arnold Schwarzenegger hat einen Hummer
in seiner Sammelgarage. Erst auf dringende Nachfrage der zivilen
Macho-Welt legte der Militärfahrzeug-Hersteller AM General eine zivile
Variante auf. Neuerdings ist der Hummer
auch in Deutschland zu haben - ohne Leichtgeschütz versteht sich, dafür
mit Klimaanlage, Radio und beleuchtetem Schminkspiegel. Allradantrieb
ist selbstverständlich.
Der Preis liegt beim augenblicklichen
Dollarkurs um 175 000 Mark - nicht zuviel angesichts von Lebenserwartung
und üppiger Ausstattung. Umbau auf deutsche Zulassungsvorschriften und
Einzelzulassung als Lastwagen sind im Preis enthalten. Als ultimativer
Geländewagen kann der Hummer durchaus eine
Versuchung sein.
Er bringt die exorbitante Bodenfreiheit eines Unimog mit, watet durch metertiefes Wasser und klettert senkrechte
Stufen von 56 Zentimetern hinauf, Werte, die Kiesgruben-Eroberern und
Expeditionsleitern das Wasser in die Augen treiben. Noch erstaunlicher:
Das Militär-Ungeheuer ist kinderleicht zu fahren. Das zierliche
Lederlenkrad bewegt die riesigen 37-Zoll-Räder dank kräftiger
Servo-Unterstützung sogar im Stand.
Der Achtzylinder-Diesel hat
ordentlich Mumm. Und den Rest besorgt eine Automatik. Was man dem urigen
Truck von außen nicht ansieht, sind seine High-Tech- Bestandteile:
innenliegende Scheibenbremsen, Aluminiumkarosse und eine
Reifendruck-Regelanlage, mit der man während der Fahrt den Druck erhöhen
oder abbauen kann. Halbplatte Reifen sind ein Geheimtipp im Gelände sie
vergrößern die Aufstandsfläche und versacken nicht gleich in weichem
Grund. Ist das Hindernis überwunden bläst die motorgetriebene
Luftpumpe die Reifen wieder auf - wahlweise vorn oder hinten, überwacht
von einem Manometer.
Die Idee klauten die Amis bei der Roten Armee, die
ihre gummibereiften Schützenpanzer schon in den sechziger Jahren mit
Reifendruck-Regelanlagen ausrüstete, um schneller an den Rhein zu
kommen. Das Aufpumpen während der Fahrt ist zugleich eine zeitsparende
Methode, um Reifenpannen zu überwinden. Konsequenterweise besitzt der Hummer
kein Reserverad. Mit einem Eigengewicht von 70 Kilo wäre es von Laien
auch kaum zu montieren. Zwölf Fenster und sieben Abschlepphaken sind
ebenfalls exklusive Ausstattungsdetails, die man bei Promenaden-Jeeps
vergebens sucht. Zwei der daumendicken Ösen hat der Fahrer ständig vor
Augen - oben auf der Motorhaube. Sie werden benutzt, wenn der
Abschleppwagen von oben naht - in Form eines Transporthubschraubers.
Exklusiv ist auch die Reaktion der Zuschauer auf das eckige Gefährt.
Kinder schütten sich aus vor Lachen über »das alte Militär-Auto«.
Frauen wenden sich vor soviel plumper Häßlichkeit angewidert ab. Männer
bleiben ruckartig stehen und starren dem Ungetüm ungläubig nach. Hummer-Eigner
müssen sich auf regelmäßige Führungen durch ihr Fahrzeug gefaßt
machen.
Vernünftig ist ein Auto, mit einer Höhe von 1,9 Meter und
einer Breite von 2,17 Meter das kaum in eine Garage paßt, zweifellos
nicht. Es wiegt leer schon über drei Tonnen und ist mit weniger als 20
Liter Diesel auf 100 Kilometer kaum zufrieden zustellen.
Die Federung ist hart - trotz Einzelradaufhängung vorn und hinten. Den Innenraum müssen
die Passagiere hautnah mit dem Antrieb teilen, weil die Generäle viel
Bodenfreiheit und wenig Höhe forderten, empfehlenswerte Eigenschaften fürs
Schlachtfeld, die einander eigentlich ausschließen.
Die Konstrukteure
erfüllten die unmögliche Forderung auf Kosten der Innenhöhe und
verteilten die Mechanik in die Breite. Die Folge ist, daß es im Hummer
so eng zugeht wie in einer Telefonzelle. Mehr als vier Erwachsene finden
in dem fast fünf Meter langen Ungeheuer nicht Platz.
Sie sitzen so weit auseinander, daß sie sich nur mit Mühe die Hand reichen können. Der
meterbreite Platz zwischen den Sitzen gehört der komplizierten Kraftübertragung.
Wer kauft sich solch ein Macho-Gefährt? » Jäger rennen uns die Bude
ein«, berichtet Jörg Hinz von der auf US-Autos spezialisierten Firma Büsching,
die den Hummer importiert »Mit einem
Mercedes G fährt heutzutage fast schon jeder in sein Jagdrevier. Wer
unterm Hochsitz was richtig Exklusives stehen haben will, der steht bei
uns auf der Matte.
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